Die Eingestellte Jagd - Club Rocaille

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die Eingestellte Jagd

Rückblick > Jahr 2014 > Barock&Jagdtage Clemenswerth

(von Marcus Stickdorn) 
Die eingestellte bzw. 'teutsche' Jagd war die in Deutschland üblichste, weil billigste Jagdform. Es kann dabei Schalenwild, Schwarzwild oder auch Niederwild gejagt werden. Erstere Wildarten sind in der Regel den landesherrlichen Jagden vorbehalten. 
Da wir aber Bischof Celmens August nicht darstellen, begnügen wir uns mit der Jagd auf Niederwild (z.B. Füchse und Hasen). Eine solche wurde oft auch von geringeren Herren veranstalten, um so ihre Gäste zu beeindrucken. Es brauchte dazu aber stets die landesherrliche permission.  

Für die eingestellte Jagd werden zunächst sog. 'Zwangtreiben' errichtet. Dies ist die Aufgabe der Jagdbauern, d.h. zwangsrekrutierte Bauern oder auch beurlaubten Soldaten, die das Pech haben, in der Nähe zu wohnen. Beaufsichtigt werden sie dabei von der 'Jägerey' d.h. bei einem Landesherren angestellte professionelle Jäger mit Beamtenstatus. 

Dann findet das 'Bestätigen' und das anschließende 'Treiben' statt. Dabei treiben Jagdbauern wieder unter Anleitung der Jägerey das Wild in sog. 'Zwangtreiben', d.h. eingezäunten Bereichen zusammen. (Dies alles stellen wir nicht dar - müssen wir auch nicht, da diese Zwangtreiben im Wald verborgen liegen.) 

Sodann findet das 'Abjagen' statt. Dazu begibt sich die Jagdgesellschaft - d.h. der gastgebende Jagdherr, seine adeligen Jagdgäste sowie die Dienerschaft und die Büchsenspanner (Teil der Jägerrey) - in den sog. 'Jagdlauft'. Dabei handelte es sich um einen 'eingestellten' (also umzäunten) Bereich, der an den Waldrand mit dem Zwangtreiben darin grenzt und in dessen Mitte sich der sog. 'Jagdschirm' (eine Art Schießstand in Zeltform) befindet.  

Man nimmt im Jagdschirm Aufstellung: vorne und bewaffnet die Jagdgäste, dahinter die Büchsenspanner mit weiteren geladenen Waffen zum Anreichen und dann schließlich die Dienerschaft mit geistigen Getränken, ebenfalls zum Anreichen.  

Zuschauer aller Stände versammeln sich derweil außen um den Jagdlauft herum, um das Geschehen verfolgen zu können.

Soldaten sorgen hier ggf. für Ordnung und die Sicherheit der Jagdgesellschaft.

Die Jägerey hat inzwischen rechts neben dem Jagdlauft Aufstellung bezogen und läßt das 'allgemeyne Jägergeschrey' ertönen, das da geht: "JO HO HOCH DO HO!"

Die Jägerey (außer den Büchsenspannern) zieht dann unter Hörnerklang 'zu Holze', d.h. begibt sich zum Zwangtreiben.

Wenn alles bereit ist, wird per Hornsignal die Jägerey aufgefordert besagtes Zwangtreiben kurz zu öffnen, so daß einige der unglücklichen Tiere von dort in den Jagdlauft rennen können. Hier laufen sie in Panik sie um den Jagdschirm herum, bis auch der dümmste Schütze etwas getroffen hat (sei es nun ein Tier oder einen der Zuschauer außen). Danach wird das Zwangtreiben wieder geöffnet und so fort, bis es gänzlich leer ist. Unterbrochen wird ggf. nur kurz um angeschossene Zuschauer wegzuschaffen.

Sodann findet das 'Abblasen' der Jagd statt. Wobei vermittels Hörnerklang und Jagdgeschrey den toten Tieren die letzte Ehre erwiesen wird. Es wird nun auch der beste und schlechteste Schütze des Tages ermittelt - was für die anschließende 'assemblée' wichtig werden wird (s.u.). Dies ist Aufgabe des Oberjägermeisters, welche als Chef der Jägerey für den geordneten Ablauf der Jagd verantwortlich ist.
Bei dieser Gelegenheit kann man nun auch Jagdteilnehmer des unwaidmännischen Verhaltens bezichtigen. Dafür reichen bereits Kleinigkeiten, wie die unsachgemäße Verwendung der Jägersprache (die sowieso keiner richtig beherrscht, der kein echter Jäger ist). Der Oberjägermeister wird dann die Stichhaltigkeit der Anschuldigung prüfen - und ihr in aller Regel stattgeben. Worauf er dem Verurteilten 'die Pfunde gibt' - eine althergebrachte und auch etwas alberne Bestrafungszeremonie, die aber für viel Heiterkeit sorgt.

Schließlich rückt die Jagdgesellschaft unter Hörnerklang ab (ohne Musik geht bei der Jagd nichts) und begibt sich zur 'assemblée' , d.h. eine Art gepflegtes Besäufnis unter freiem Himmel. Dabei sind die Etikette deutlich gelockert (man ist ja schließlich auf der Jagd). Die Tafel beginnt dabei nicht der Jagdherr, sondern der beste Schütze (oder Schützin) des Tages welcher wiederum vom schlechtesten Schützen bedient wird. Letzterer darf auch nicht an der Tafel Platz nehmen, sondern bekommt seinen eignen kleinen Tisch mit einer ausgestopften schwarzen Katze darauf - den sog. 'Katzentisch' - und muß sich dort schämen.

Die Tafel beginnt dabei nicht der Jagdherr, sondern der beste Schütze (oder Schützin) des Tages welcher wiederum vom schlechtesten Schützen bedient wird. Letzterer darf auch nicht an der Tafel Platz nehmen, sondern bekommt seinen eignen kleinen Tisch mit einer ausgestopften schwarzen Katze darauf - den sog. 'Katzentisch' - und muß sich dort schämen.

Man sieht, die Jagd ist eine wunderbare Gelegenheit für den Herren oder die Dame von Stand, der höfischen Etikette zu entfliehen und einfach einmal etwas albern sein zu können.   


Weiter zu den"Jagdgemälden"

 
Copyright 2015. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü