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Geschichte des Pflegers

Rückblick > Jahr 2016 > Schloss Burgtreswitz
Franz Ferdinand Reisner von Lichtenstern
Im  Jahre  1889  veröffentlichte  Karl  Anton  Reisner  von  Lichtenstern  die  Chronik  seiner Familie.  Darin  ging  es  natürlich  auch  um  seinen  Vorfahren  Franz  Ferdinand  Reisner  von Lichtenstern  und  dessen  Erlebnisse  im  österreichischen  Erbfolgekrieg.  Für  unsere Schlossbelebung ist dies durchaus interessant, denn es wird in der Schrift auch vom Pomp und der strengen Etikette in Treswitz gesprochen.
„Franz Ferdinand Reisner Freiherr v. Liechtenstern auf Woppenhof:
Franz Ferdinand wurde den 2. Mai 1710 auf der kurf. Burg zu Treswitz geboren, trat nach mit Auszeichnung vollendeten Studien auf der Universität Ingolstadt und nach abgelegten günstigen Prüfungen für den Staatsdienst den 10. April 1738 als Hauptpfleger die
Verwaltung der Aemter Treswitz und Tännesberg an.
Bald nach seinem Amtsantritte i.J. 1741 brach der das Land Bayern so überaus verheerende österreichische Erbfolgekrieg aus. Wie schon im spanischen Successionskrieg, hielt auch dießmal wieder das Volk treu und unentwegt zu seinem angestammten Herrn, und die
Kunde manch heroischer Gegenwehr ist auf uns gekommen. Viele kleinere Züge treuer Anhänglichkeit und Pflichterfüllung bewahrt die Ueberlieferung oder die Aufschreibung in den Familien des Landes und auch die unsere weiß zu erzählen, wie es unseren Vorfahren damals auf Treswitz ergangen ist.Franz Ferdinand Reisner v. Liechtenstern hatte als Grenzbeamter sein Amtsgebiet gegen Böhmen hin möglichst zu schützen. Er beobachtete daher unausgesetzt die Bewegungen des Feindes, von denen er der ihm vorgesetzten kurf. Regierung zu Amberg fleißig Nachricht gab, verhinderte Requisitionen aller Art und zeigte sich überhaupt nach den im Familienarchive aufbewahrten Akten als ein sehr thätiger und rühriger Mann.
Diese treue Pflichterfüllung, verbunden mit dem Umstande, daß der im großen Vertrauen bei der landesherrlichen Regierung stehende Pfleger von Treswitz die französische Armee unter Marschall Jean Baptiste Francois de Maillebois, welche den Bayern zu Hülfe eilte, sich aber bekanntlich als nicht verlässig erwies, als Marschcomissär durch die Oberpfalz nach Böhmen geleiten mußte erbitterte den Feind ungemein gegen ihn. Der kommandirende österreichische General ertheilte daher einem Husarenoffizier den Auftrag, nach Treswitz zu reiten und den dortigen Pfleger aufzuheben oder vielleicht noch Schlimmeres mit ihm vorzunehmen. Im letzten Nachtquartier zu Treffelstein, einem Gute des Baron Horneck, that derselbe hievon mit dem Bemerken Erwähnung, daß ihm sein Auftrag sehr unangenehm sei.
Diese Erzählung hörte die Kammerjungfer der Baronin mit an und faßte aus Anhänglichkeit für ihre frühere Dienstherrschaft (sie war vorher zu Treswitz im Dienste gestanden) sofort den Entschluß, die verhängnißvolle Kunde dorthin zu überbringen. Sie wußte Mittel und Wege zu finden, rasch nach dem ziemlich weit entfernten Treswitz zu gelangen. Welche Aufregung ihre Mittheilung dort hervorrief, kann man sich denken! Man raffte die nöthigste Habe zusammen und machte sich rasch auf den Weg.
Als die Flüchtlinge bei Wernberg auf dem Punkte angekommen waren, wo sich die Straße Eger-Regensburg mit der Straße Waidhaus-Nürnberg kreuzt, hörten sie hinter sich Pferdegetrappel und vermutheten mit Recht die verfolgenden Husaren auf ihrer Spur. Da,
noch im rechten Augenblicke, fuhr der Kutscher in eine offenstehende Scheune, die sofort von den Dreschern geschlossen wurde. Als kurz darauf die Huraren angesprengt kamen und frugen, ob ein Wagen vorbei und wohin er gefahren sei, deuteten die braven Bauern gegen Regensburg und unser Ur-Urgroßvater war gerettet! Er reiste nach Nürnberg, wo er vom 8. Januar bis 7. Mai 1745 mit seiner Familie verbleiben mußte. Auch von hier aus zog er „von des Feindes Anstalten und Bewegungen verläßliche Nachrichten ein, that davon hohen Ortes fleißige Eröffnung, reichte mit besonderem Eifer und guter Einsicht auf Abhelfung obwaltender Zustände abzielende Vorschläge ein und trug allerwegen seine Hilfe an“, wie ein Attestat des Herrn v. Schücker, kurbayr. Residenten zu Nürnberg, besagt.
In seiner Abwesenheit vom Hause rächte sich das Executions-Commando durch vielfältige Beschädigungen an seiner zurückgelassenen Habe und durch Zerstreuung der Amtsregistratur.
Als er endlich auf sein Amt wieder zurückkehren konnte, fand er die Zerstörung seines Eigenthums und die in seine geordnete Amtsverwaltung gebrachte Verwirrung mit großem Schmerze vor.
Aber seine treuen Dienste, seine Aufopferung und unentwegte Anhänglichkeit ist nicht ohne Anerkennung geblieben. Am 9. März 1753 erhob Kurfürst Max Joseph III., der Gute, ihn und seine Nachkommen in den Freiherrnstand des Kurfürstenthums Bayern unter Verleihung des Prädikates „Edl“. Das 1653 verliehene adelige Wappen wurde unverändert bestätigt.
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Das größte Unglück traf die Familie aber am 13. Januar 1763, als Franz Ferdinand in Folge eines Schlaganfalles plötzlich auf der Burg zu Treswitz im 53. Jahre seines Alters verschied.
Er wurde in der Pfarrkirche zu Mosbach begraben, wo sich sein Grabstein noch vorfindet.
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Ueber sein Wesen und seinen Charakter besitzen wir deßhalb genauere Kunde, weil unser Großvater während der Trennung seiner Eltern bei ihm erzogen worden ist. Mein Vater schrieb in seinen Familien-Aufzeichnungen in Bezug auf ihn: „Franz Ferdinand war ein sehr intelligenter, gebildeter, arbeitsamer und energischer Mann, der allgemeines Vertrauen und hohe Achtung bei Jedermann genoß. Durch seine Frau, eine geb. Freiin v. Rummel aus Waldau, war er in den Besitz eines beträchtlichen Vermögens gekommen, das er noch zu vermehren wußte.“„Ganz im Geiste jener Zeit wurde in seinem Hause auf strenge Förmlichkeit und Etiquette gesehen, sowie nach Außen hin möglichster Pomp entfaltet. Ein ehemaliger hochbetagter Diener von ihm, der alte Thomerl, pflegte hierüber zu erzählen:
Ja, Se. Hochfreiherrliche Gnaden Franz Ferdinand, das war ein Mann! Wenn wir nach Amberg oder Regensburg mit unseren vier Rappen gefahren sind, ich mit meinem silbernen Posthörndl auf dem Fuchs voraus, da hat Alles g´schaut!“
Wie schon erwähnt, war unser Ur-Urgroßvater mit Maria Elisabetha Franziska Freiin v. Rummel aus dem Hause Waldau vermählt; die kirchliche Trauung fand zu Vohenstrauß am 2. Juli 1742 statt.
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Maria Elisabetha Reisner Freifrau v. Liechtenstern starb i.J. 1790 auf der Burg zu Treswitz und wurde in der Pfarrkirche zu Mosbach ... begraben.“
Quelle:
Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 43, 1889, „Geschichte
der Reisher Freiherrn von Lichtenstern ...“, von Karl Anton Reisher Freiherr von Lichtenstern:
http://digital.bib-
bvb.de/view/bvbmets/viewer.0.5.jsp?folder_id=0&dvs=1453826774582~750&pid=1306233&locale=de#
Abschrift, 27.01.2016
Bernhard Weigl
 
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